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Pressestimmen:

Heino und Heintje statt Mc Sarg
Ein Artikel in der STUZ (Studentenzeitschrift) Ausgabe Juli 2013

 

 

 

 

 

 


 
Er kommt, wenn andere gerade gegangen sind: zu Besuch beim Wiesbadener Bestatter Stefan Fink.
 
Der Statistik nach verstirbt pro Jahr ein Prozent der Bevölkerung einer Stadt. Und diesem Prozent soll schließlich auch die letzte Ehre erwiesen werden. Wenn Angehörige dies in die Tat umsetzen möchten, kommen Bestattungsunternehmer wie Stefan Fink ins Spiel. Vor 25 Jahren übernahm der heute 55-jährige Diplom-Volkswirt das Familienunternehmen seines Vaters in Wiesbaden in der vierten Generation. Die dreijährige Ausbildung zum Bestattungsgehilfen hat er nicht gemacht. „Ich bin sozusagen in diesen Beruf hineingeboren worden“, erzählt Fink. „Außerdem bietet der Bestatterbund diese offizielle Ausbildung auch erst seit fünf oder sechs Jahren an.“


Man könnte ihn als „Event-Manager“ bezeichnen – nur dass er statt der Johannisnacht eine Trauerfeier für die Hinterbliebenen eines Verstorbenen organisiert. Dreieinhalb Mitarbeiter beschäftigt Fink, um dem Aufwand rund um eine Beerdigung gerecht zu werden. Während Fink das Trauergespräch noch selbst führt, delegiert er Arbeiten wie das Herrichten des Verstorbenen nach den Wünschen der Angehörigen an seine Mitarbeiter. Im Gegensatz zu ihrem Chef genießen sie den Luxus geregelter Arbeitszeiten. Da der Tod auch vor der Nacht keinen Halt macht, muss Fink jederzeit erreichbar sein. Da heißt es dann auch mal nachts um drei, die Überführung eines Toten zu organisieren. „Ich biete meinen Kunden Beistand, halte Ihnen den Rücken frei – kann aber leider keine Trauerbewältigung leisten. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen“, sagt Fink. Ein dickes Fell müsse man sich für diesen Beruf zulegen. Besonders wenn Kinder versterben oder man ein Unfallopfer herrichten müsse, sei eine gesunde Distanz notwendig, um abends wieder ruhig einschlafen zu können. Der Beruf des Bestatters habe in den letzten Jahrzehnten einen Wandel durchlebt, so Fink. „Generell entstand der Beruf aus dem Handwerksgewerbe. Meistens entschlossen sich Tischler oder Schreiner, die die Särge hergestellt haben, dazu, auch die ganze Organisation rund um den Tod zu übernehmen.“ Dazu gehöre heute auch die „Abmeldung“ des Toten aus der Gesellschaft – sprich Versicherungen zu kündigen, Abmeldung beim Bürgeramt und vieles mehr. „Besonders die Einstellung zum Tod hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert“, berichtet Fink. Aufgrund geringerer Familienbande und mehr Alleinstehenden in der heutigen Gesellschaft werde der gebührende Abschied von einer geliebten Person mehr und mehr von einer „Entsorgungsmentalität“ abgelöst: „Dreißig Prozent der Hinterbliebenen sehen in mir leider nur einen Entsorger der Altlasten.“ Tendenz steigend. Doch ein kleiner Lichtblick bleibt: Discount-Bestatter aus Amerika, die nach dem Motto „Mc Sarg“ operieren, Beerdigungen sozusagen am Drive-in-Schalter verscherbeln, setzen sich in Deutschland nicht durch. „Das ist vielen dann doch zu unpersönlich“, weiß Fink.


Trotz der Düsternis, die in seinem Beruf immer mitschwingt, gibt es für den Bestatter aus Leidenschaft auch überaus lustige Momente, während er seiner Berufung nachgeht. Für diese Augenblicke sorgt meist eine merkwürdige Musikauswahl der Angehörigen für die Trauerfeier. „Heino und Heintje sind am beliebtesten“, lacht Fink. Auch das DarthVader-Theme und „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ seien schon mal gelaufen. Eine Trauerfeier aber habe den Vogel abgeschossen: Eine Familie habe sich gewünscht, dass alle Gäste die Möglichkeit bekämen, sich am Sarg von dem Verstorbenen zu verabschieden. „Das ist nicht ungewöhnlich“, berichtet Fink. „Ungewöhnlich wird es dann, wenn der Wunsch hinzukommt, dass dabei die ganze Zeit das Lied ,Spanish Eyes‘ gespielt werden soll. Nach der zehnten Wiederholung und einer halben Stunde wird es doch irgendwann etwas komisch.“ Hierin besteht die Kunst des Bestatters: sich auf die verschiedenen Menschentypen mit verschiedenen Vorstellungen und Gebräuchen vorbehaltlos einzustellen. Auch die Sprache spielt eine große Rolle. „Die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten sprechen oft eine unterschiedliche Sprache. Darauf muss ich Rücksicht nehmen“, erklärt Fink. Folglich ist es für den Bauarbeiter eine Selbstverständlichkeit, dass das Trauergespräch auf „Hessisch“ geführt werden soll, wohingegen der Anwalt dies vielleicht als unhöflich empfindet. Doch andere Unterschiede macht Fink nicht. Gesellschaftlicher Stand, Religion und politische Ausrichtung interessieren ihn für seinen Beruf nicht. „Im Tod sind wir doch alle gleich“, schließt Fink. „Und das ist auch gut so!“


STUZ   Ausgabe Juli 2013